Aus dem Tagebuch einer Grünhilde-Praktikantin…

Aus dem Tagebuch einer Grünhilde-Praktikantin…

Elke Plass ist Lehrerin an der NMS in Tragwein und hat im Herbst 2017 und Frühjahr 2018 drei Tage lang ein Betriebspraktikum bei Grünhilde absolviert. Die Betriebspraxis stellt eine Möglichkeit für Lehrer dar, ihr Wissen in der Betriebswirtschaft und im Praxisbereich zu verfeinern, und es entstehen interessante Kontakte zu Unternehmen. Elke hat dieses Angebot in Anspruch genommen und sich die Grünhilde dazu ausgesucht. Nun war sie noch so nett uns ihre Tagebuchnotizen zu senden , die – wie wir finden – sehr spannend und unterhaltsam zu lesen sind:

Die Feuertaufe – ein Samstag im Dezember 2017 

Eigentlich war der langersehnte Samstag als Schlaf- und Rasttag im Kalender eingetragen, aus einem mir nicht bekannten Grund fragte ich aber die Leiterin der Grünhilde, ob man mich am nächsten Tag brauchen könnte. No na. Ich tanzte also um 9 Uhr, unausgeschlafen, aber „geschalt und geschampert“ in der Grünhilde an, bekam als erstes eine offizielle Schürze umgebunden und stand Minuten später hinter der Kassa. Was der Julia völlig klar ist, war für mich ein Gewurl aus Tasten, Farben und Listen.
Aber nun ging es ja an das Packen von Geschenkkörben. Eine Disziplin, in der ich den weißen Gürtel hab. Krone richten, Schultern zurück und plötzlich hieß es: „Na schau, so hab ich das noch nie gemacht, von dir kann ich ja noch was lernen!” Und schon hatte ich den gelben Gürtel verdient.
Der Tag wurde lustig und hektisch. Warum gehen eigentlich alle, besonders die Pensionisten, am Samstag vormittag einkaufen? Ein weiteres interessantes Phänomen ist, dass man lange, oft sehr lange warten muss, dabei die gut gefüllte Vitrine vor Augen hat, aber erst, wenn man endlich dran ist, zu überlegen beginnt, was man denn eigentlich möchte. Das gleiche passiert dann bei der Kassa. Na gut, soll sein.
Zwischendurch kehr ich, wisch ich, schneide und belege eine Platte für das Frühstücksbuffet. Eine Herausforderung: Hauchdünn aufschneiden, einrollen, gefällig hinlegen, Finger nicht abschlecken. Um 12 mussten wir dann aufräumen, Lebensmittel vakuumieren, in den Kühlraum bringen, das Gemüse wegräumen, Regale putzen und Rest-Brot verpacken. Um 14 Uhr waren wir endlich fertig und sind müde und bereit fürs Wochenende nach Hause gezogen. Dei zwei anderen Praktikumstage konnte ich vor Weihnachten nicht mehr machen, da sehr viele Kollegen krank waren und der Chef mich gebeten hat, nicht auch noch zu fehlen. Puh, Aufschub ist immer gut.

Hurra, no school 🙂  – Betriebspraktikum Teil 2 im März 2018

Start um halb neun und nicht um zehn vor acht. HURRA!  Ich treffe hochmotiviert in der Grünhilde ein und stelle mich bei allen Mitarbeitern vor. Was eigentlich nicht notwendig ist, der Restaurantleiter kennt mich, die Christina kennt mich von den Elternsprechtagen und die Martina ist selbst bei mir in die Schule gegangen. Super Start, oder?

Als erstes darf ich Geschenkkörbe machen. Mit dem Prospekt in der Hand irre ich durchs Geschäft, wenn ich irgendwas reinpack, stimmt der Preis nicht, aber wo „kruzineser“, sind denn die Sachen? Ich find im Laufe der nächsten Viertelstunde tatsächlich alle Zutaten und mache drei pipifeine Geschenkkörbe. Dann braucht mich die Silvia zum Tisch decken. Ich wuserl also durchs Restaurant, räum die Tische ab, decke ein und kehr zusammen (manche Gäste scheinen daheim die Hühner im Esszimmer zu haben). Ich hab den Geschirrspüler geladen und ausgeladen, viele Male und ich hab die Gläser poliert. Ich hab nix zusammengehauen – darauf bin ich besonders stolz. Ich hab viel zusammengekehrt. Das letzte Mal, dass ich so eifrig den Besen schwang, war am 6. Dezember und ich war unter 6 Jahre alt, in der Hoffnung, dass das Kehren ein paar meiner Sünden aus dem goldenen Buch des heiligen Nikolaus zu löschen vermag.

In der Küche macht Karam (ein Syrer, der in Pregarten wohnt und in der Grünhilde als „Mädchen für alles“ arbeitet) gerade Gnocchi, Markus kocht die Sauce und am Herd brodelt schon die Gemüsesuppe vor sich hin. Ich habe auch geholfen und gefühlte hundert Krautwickler mit Spagat zusammengebunden und nebenbei dem Chef das Rezept fürs Knuspermüsli entlockt. Nach meinem verzweifelten Blick hat er mir ein Glas davon geschenkt. Dann habe ich noch zwei wirklich pipifeine Platten mit Schinken, Speck, Salami belegt. Übung macht den Meister, die wurden wirklich dekorativ. Also ich finds schon dekorativ. Na wurscht. Sie werdens schon essen.

Ha! Kundschaft im Laden! Ich darf Schinken schneiden, Topfen abfüllen, Brot verpacken, abwiegen – das Finden der richtigen Waagetasten wird mir suspekt bleiben.  Am Nachmittag ist Schichtwechsel, Christina und Martina gehen heim, Julia, meine Chefin vom ersten Tag im Advent übernimmt. Die meiste Zeit bin ich höchst dekorativ im Weg gestanden. Darin hab ich ja den schwarzen Gürtel. Ich hab geputzt, gewischt, Müll getrennt, her- und weggeräumt und die Kassa zum Absturz gebracht. Ich hab das Lager geplündert und die Regale aufgefüllt und ich hab mit meinem Charme die Kunden bedient und beraten. Manche waren halt resistent/renitent.

Der spätere Nachmittag ist eher ruhig verlaufen, erst gegen sechs steigt die Betriebsamkeit. Alle Maschinen gehören geputzt- eh klar, dass um halb sieben noch ein Kunde aufgeschnittenen Speck möchte. Schwur des Tages: Ich geh nie wieder später als halb sechs einkaufen und wenn doch, nehm ich nur, was abgepackt vor mir liegt. Die Blumen müssen unter Dach und Fach, die Vitrine wird ausgeräumt, das Gemüse verstaut. Ich hab alle Körner und Brösel vom Brotschneiden für die Hendeln gesammelt – und das Datzerl dann stehenlassen. Ein paar Damen (wieder ein paar Schülermütter) kommen auf ein Abendachterl und kaufen auch noch Topfen und Weckerl und andere bereits weggeräumte Sachen.

Endlich Feierabend – und  Zuhause 

Geh leck, sind das wirklich meine Zecherl oder doch Knackwürscht vom Staudinger? Geh leck, bin ich müd. Geh leck, tut mir das G’stell weh. Und jetzt: F E R I E N – Sollte ein Dienstag Abend und mit ihm ein Mittwoch Schulmorgen kommen – Welcome 🙂 

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